Aschaffenburg: Die grünen Riesen vom Steinbachtal
Aschaffenburg: Die grünen Riesen vom Steinbachtal

Aschaffenburg: Die grünen Riesen vom Steinbachtal

"Selten waren wir auf einer Wanderung in unserer Nähe überrascht – so viel Unerwartetes."

Parkplatz am Nordfriedhof im Aschaffenburger Stadtteil Damm

Dauer: 2h30 min - Strecke: 9,3 km - Rundtour

Einfache, stellenweise auf engen Pfaden, verlaufende Wanderung

Baumlehrpfad | Menzen-Mühle | Hügelgrab

Keine Einkehrmöglichkeit entlang des Weges

Der Strietwald: Er ist nicht nur Namensgeber eines Aschaffenburger Stadtteils, sondern auch ein nordwestlich vom Zentrum gelegenes Waldgebiet mit Kulturgeschichte. Denn er war von 1819 bis 1910 Lehrforst der Aschaffenburger Forstlehranstalt. Unsere heutige Rundwanderung beginnt am kostenfreien Parkplatz am Nordfriedhof und führt uns ins angrenzende Steinbachtal. Gleich zu Beginn finden wir eine Wandertafel, die uns über den archäologischen Kulturwanderweg informiert, den wir erwandern wollen. Die Markierung, der wir folgen werden, ist das gelbe EU-Schiffchen auf blauem Grund. Der Weg führt uns zunächst geradeaus in den Wald hinein. Aber Achtung! Der Hauptweg gabelt sich in drei Wege auf. Wir nehmen den mittleren, und wandern auf einem gut ausgeschilderten, breiten Wald- und Forstweg durch hohen Laubwald und kommen an einem kleinen Teich vorbei. Um diese Jahreszeit wirkt der Teich mit den kahlen Bäumen etwas trist, aber ein wenig Sonne lässt uns erahnen, wie schön dieser Platz wohl im Frühjahr/Sommer sein kann.

Unser Weg führt uns weiter bis zum Wegweiser „Hohe Linie“. Dort folgen wir nach rechts dem bekannten Zeichen. Der Weg verläuft sehr ruhig und einsam durch den Wald. Heute sind wenige Menschen unterwegs. Scheinbar schrecken die kühlen Temperaturen ab. Dennoch überholt uns ein Jogger mit Hund. Ein weiterer Vierbeiner kommt uns mit seinem Frauchen und Herrchen entgegen. Der Wald scheint eine Gassirunde des benachbarten Wohngebiets zu sein. Entlang des Weges taucht wenig später zwischen grünen Riesen eine Holzbank auf, die sich perfekt für eine Rast anbieten würde. Der Regen der vergangenen Tage und die doch recht kühlen Temperaturen nehmen uns jedoch die Entscheidung ab. Keine Rast. Wir setzen unseren Weg fort und überqueren nach ein paar Metern eine kleine, moosbewachsene Brücke. Nach der Brücke weist uns der Weg rechts in einen Forstweg.

Turnvater Jahn, die Sage der „Menze-Mühl“ und grüne Riesen im Steinbachtal

Nach kurzer Zeit erreichen wir den Jahnfelsen. Ein Felsen mit Name? Im Steinbachtal finden sich auch andere Felsformationen – aber dieser ist etwas Besonderes. Denn an diesem Felsen entdecken wir eine Gedenktafel zu Ehren des Turnvater Jahns. Sie wurde von Aschaffenburger Bürgern 1928 angebracht. Wir setzen unseren Weg fort und folgen dem Baumlehrpfad „Steinbachtal“. Hinweistafeln zu heimischen und exotischen Bäumen säumen unseren Weg. Die Tafeln informieren uns zur Baumart, deren Eigenschaften und Besonderheiten: Wir erfahren Neues und längst Vergessenes. Verdrängtes wird wieder in Erinnerung gerufen.

Zugegeben: Im Januar bedarf es bei kahlen Bäumen einer enormen Vorstellungskraft, wie diese wohl im Frühjahr/Sommer mit ihrem grünen Blätterkleid aussehen werden. Doch warum ist dieser Lehrpfad hier angelegt? Die bereits erwähnte Forstlehranstalt forschte hier mit Baumarten aus allen Ecken der Erde. Sie wurden angepflanzt und auf ihre Verträglichkeit mit dem heimischen Klima untersucht. Diese Tradition wird bis heute fortgesetzt. Wenn auch unter anderen Vorzeichen.

Unser Weg führt uns nun entlang des Steinbachs. Idyllisch und fast auch etwas verwunschen schlängelt sich dieser durch das Tal. Wenige Meter später stoßen wir auf die Menzen-Mühle. Genauer gesagt: auf ihre Legende und die vermuteten Reste dieser Mühle. Wir entdecken eine Tafel, die uns von der Sage der grausigen Mär der „Menze-Mühl“ erzählt.

Wir verlassen den Bachlauf, steigen über einen wurzeligen Pfad und folgen unserer Wandermarkierung. Der Anstieg ist steil, wie wir ihn hier so nicht erwartet hätten. Aber wir verlassen das Steinbachtal und das zeigt sich in Höhenmetern. Die Wege sind sehr gut ausgeschildert. Deshalb können wir uns auf die Natur konzentrieren und die Stille genießen.

Doch nicht zu sehr. Denn zwischendurch müssen wir auch immer mal wieder schauen, wo wir unsere Füße hinstellen – der Pfad ist aufgeweicht, matschig und stellenweise recht tief. Unfallfrei, aber mit dreckigen Schuhen erreichen wir das Paffewaldsheisje (für nicht Einheimische: Pfaffenwaldshäuschen). Es steht auf eine Lichtung und soll einst der Rückzugsort des bekannten bayerischen Schriftstellers Ludwig Thoma gewesen sein, der in Aschaffenburg zeitweise lebte und studierte.

Schauplatz einer Raubgrabung

Unsere Wanderung neigt sich nun so langsam ihrem Ende entgegen. Dafür folgen wir weiter unserer Markierung. Das Zeichen ist auch jetzt schnell gefunden, weil sehr prägnant und kaum zu übersehen. Wir setzen unseren Weg durch den hohen Wald leicht abschüssig fort. An einem Hinweisschild über Hügelgräber und Raubgrabungen halten wir inne. So beeindruckend und kulturell wertvoll die Gräber sind, umso bedrückender ist die Tatsache, dass auch oder gerade heute noch Grabräuber ihr Unwesen treiben. Der Weg führt uns indessen wieder tiefer in den Wald. Die Erkenntnis, dass sich um uns herum zahlreiche Ruhestätten befinden, gibt uns irgendwie ein leicht beklemmendes Gefühl. Wir folgen dem „Schiffchen“ und nach ein paar weiteren Metern entdecken wir rechter Hand ein weiteres Hinweisschild. Wir müssen zweimal lesen: Ein Tulpenbaum aus Übersee. Auch hier können wir den Baum nur ohne Blätter bestaunen und spätestens jetzt beschließen wir, diese Tour zu einer anderen Jahreszeit unbedingt zu wiederholen.

So nah waren wir der A3 als Fußgänger noch nie

Gespannt, was uns auf dieser Tour wohl noch erwarten mag, setzen wir unseren Weg fort. Entlang eines eingezäunten Geländes laufen wir in Richtung A3 – die Geräuschkulisse ist eindeutig. Nur ein kurzes Stück marschieren wir hier zwischen den schnellen Autos der Gegenwart auf der einen Seite und dem historischen Schießplatz auf der anderen Seite entlang, bevor uns der Weg wieder in den Wald hineinführt. Nun ist es nicht mehr weit bis zum Ende unserer Tour.